04.04 — 16.05.14

VERNISSAGE + PREISVERLEIHUNG:
FREITAG 04. APRIL - 18 Uhr

Dienstag - Freitag: 17 - 20 Uhr
und an Vorführungsabenden: 17 - 23 Uhr
Geöffnet am Samstag 05.04: 14 - 20 Uhr
Geschlossen am Feier-und Brückentagen

Prix OBLICK

INTERNATIONALER PREIS
FÜR JUNGE FOTOGRAFIE

OBLICK führt die zeitgenössische Fotografie aus den drei Ländern Deutschland, Frankreich und Schweiz zusammen und präsentiert die künstlerischen Arbeiten von 9 Nachwuchstalenten aus diesen Ländern. OBLICK bietet ein Spektrum verschiedener Ausdrucksformen der Fotografie – von konzeptuellen Ansätzen, medial erweiterten und fast malerischen Arbeiten bis hin zur persönlichen Autorenfotografie. Die jungen Fotografen präsentieren engagierte, künstlerische Werke, die die wichtigen Merkmale der Fotografie unserer Epoche widerspiegeln. Sie bringen ebenso neue Tendenzen des Mediums Fotografie zum Vorschein, das sich in einem permanenten Weiterentwicklungsprozess befindet.

Anlässlich der Eröffnung des Festivals, wählen die Künstler Charles Fréger, Jürgen Klauke und Beat Streuli aus den neun jungen Finalisten einen Preisträger aus.

Jeannie Abert

Nach ihrem Diplom in Bildhauerei an der Ecole supérieure d'art et de design von Saint-Etienne, trifft Jeannie Abert (1987 in Frankreich geboren) die Entscheidung, sich ganz der Fotografie zu widmen. Sie absolviert ihr Studium an der Ecole supérieure de la photgraphie in Arles. Dank eines Stipendiums verbringt Jeannie Abert, 2011, drei Monate in New York.. Mit der Unterstützung von Olympus schafft sie eine fotografische Konversation mit Stanley Greene. Diese Arbeit wurde 2013 während der Rencontres in Arles präsentiert, wird die Serie Révolutions. Im selben Jahr ist Jeannie Abert Preisträgerin des Festivals "Manifesto" in Toulouse und Finalistin des SFR Fotopreises/Le Bal.

Révolutions, 2011

Die Serie «Revolutions» besteht aus einer Gesamtheit von Collagen, von Collagen, welche 2011 den Beginn der Auseinandersetzungen in der arabischen Welt zeigen. Die Volksaufstände der Länder des arabischen Frühlings, Tunesien, Algerien, Yemen, Jordanien, Mauritanien, Oman, Saudi-Arabien, Libanon, Ägypten, Lybien, Syrien, Palästina Behörden, Marokko, Sudan, Djibouti, Bahrein, Irak, Somalien, Koweit, Zypern und Iran bleiben bis heute ein Präzedenzfall. Diese fotografisch- künstlerische Arbeit ist als Hommage an diejenigen zu verstehen, die seither gemeinsam für die Freiheit kämpfen.

Jeannie Abert Révolution

Nadja Bournonville

Nadja Bournonville, geboren 1983 in Schweden, studiert 2003 - 2006 Fotografie an der Glasgow School of Art und beendet 2012 ihr Studium als Meisterschülerin bei Prof. Tina Bara an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig. Die Arbeit A conversation act enstand als Buch in Zusammenarbeit mit dem Fotohof Verlag und wurde in Ausstellungen in Schweden, Deutschland und den USA gezeigt. Nadja Bournonville wohnt und arbeitet seit 2010 in Berlin und entwickelt dort derzeitig ein neues Projekt über das Thema Vorstellung und Wahrnehmung. Ihr künstlerischer Schaffensprozess trägt Züge aus Literatur, Film und Psychologie und setzt seinen Inhalt aus aus Narration, absurden Momenten und neugierigen Blicken zusammen.

A conversion act

Ausgangspunkt der künstlerischen Arbeit "A conversion act" ist das Krankheitsbild der Hysterie. In ihrer fotografischen Arbeit greift Nadja Bournonville diesen Gedanken der Umwandlung von seelischen Vorgängen in das Körperliche auf und entwirft zwei einander ergänzende Serien. Kleinformate, in denen die aus heutiger Sicht brachialen Behandlungsmethoden seelisch Erkrankter gewissermaßen ad absurdum geführt werden, kontrapunktiert die Künstlerin mit großformatigen, szenographisch angelegten Einzelbildern. In deren bildnerischem Repertoire klingen Ausdrucksformen und Ikonografien sowohl symbolistischer, dadaistischer als surrealistischer Kunst an. Der Betrachter sieht sich in anspielungsreiche, unserer greifbaren. Wirklichkeit völlig entrückte Bildräume versetzt, die uns in eine assoziativ aufgeladene, magisch wie grotesk anmutende Traumwelt führen.

Nadja Bournonville A Conversion Act

Delphine Burtin

Nach ihrem Grafikdesignstudium in Lausanne arbeitet Delphine Burtin, geboren 1974, zunächst 5 Jahre für verschiedene PR-Agenturen in diesem Metier. 2011 erweitert sie ihren professionellen Horizont und studiert Fotografie an der Ecole de photographie in Vevey, wo sie 2013 ihr Diplom erhält. Derzeit experimentiert sie mit verschiedenen Gebieten der Fotografie und interessiert sich ganz besonders für Stillleben und Objekte. Ihre eigenen Projekte erzählen viel vom Verschwinden und von der Illusion.

Encouble*

„Ich mag die Unfälle, die aus dem puren Sehen heraus entstehen. Ich mag diese Vorstellung etwas zu sehen, was in der Realität etwas anderes darstellt. Ich mag, daß unser Gehirn uns einen Streich spielt, die Dinge verzerrt und uns etwas sehen und glauben lässt, das gar nicht existiert. Ich mag es, mich von alltäglichen Bildern aufrütteln zu lassen, eine Realität einzufangen, sie wieder zusammenzufügen und diese anzuzweifeln. Die Kamera wird so zum Werkzeug meiner visuellen Experimente. Während ich Bilder von Bildern in meinem Studio bei natürlichem Tageslicht abfotografiere, sie dann wieder untereinander mische und zerschneide, versuche ich mich von der Realität zu lösen, um sie besser zu hinterfragen. Ich prüfe so, was sich hinter der Aussage eines jeden Bildes verbirgt und behalte diese Fragestellung immer im Kopf: Wie lässt sich das interpretieren, was uns sinnstiftend erscheint? Ich bin auf der Suche, was uns Bilder zeigen und was sie vor uns verbergen. Ich halte ihnen einen verzerrten Spiegel vor, welche uns einen Teil unserer Selbst offenbaren, ohne die komplette Wahrheit abzubilden. All diese Überlegungen formen sich zu einer Aufforderung, unsere Beziehung zur Welt und zum Anderssein zu erkunden.

*encouble [ Französisches Wort aus dem Schweizer Deutsch], etwas, das stört, das lästig, unangenehm und peinlich erscheint.
s’encoubler – eigensinnig sein/werden, über etwas/jemanden stolpern

Delphine Burtin Encoule

Anna Domnick

Anna Domnick (1983 geboren) studiert von 2007 bis 2013 Fotografie und Medien an der Fachhochschule Bielefeld, wo sie 2013 ihren Abschluss mit ihrer Arbeit Calm II absolviert erhält (mit der sie gleichzeitig Preisträgerin bei gute aussichten - junge deutsche Fotografie 2013/2014 ist). In ihrer freien künstlerischen Arbeit befasst sich Anna Domnick mit Grenzen und Grenzerfahrungen, während sie sich in dokumentarischen Arbeiten insbesondere mit politischen und ökologischen Inhalten auseinandersetzt.

Calm II

Die intensive Betrachtung von Landschaft, die Anna Domnick selbst als autobiographischen Moment in ihre künstlerische Arbeit hineinträgt, entwickelt sich in "Calm II" zu einer weitestgehenden Abstraktion des konkreten Motivs. Die Landschaft ist reduziert auf am unteren Bildrand ruhende Farbstreifen, in denen sich Topografie in Form von übereinander gelegten Pigmentierungen äußert. In den abwechselnden Bildfolgen von Landschaft und Körper visualisiert Anna Domnick den für sie wechselseitigen Prozess, in dem geistige und physische Auflösung einander bedingen. Während sich Landschaft zu einem spirituellen Raum sublimiert, löst sich die Physis im zentralen Bild der Serie mehr und mehr in der Schwärze des Bildgrundes auf. Beide – Landschaft wie Körper – gerinnen zu einer Vision der Entgrenzung von Körper und Geist.

Anna Domnick Calm II

Julie Fischer

Julie Fischer, (1983 geboren) erhält ihr Diplom an der Ecole Nationale Supérieure de la Photographie in Arles. Als Finalistin für das Stipendium der Bibliothèque Nationale de France, stellt sie 2011 im Salon de Montrouge aus, 2012 beim Festival Circulation(s) sowie in Arles und im Europaïschen Zentrum für zeitgenössische künstlerische Aktionen (CEAAC) in Straßburg. Außerdem erhält sie 2011 eine spezielle Würdigung bei der Preisverleihung von Voix off in Arles. Ihre erste Soloshow findet im Herbst 2013 in der Galerie Marine Veilleux statt.

Ventre gris

Die Aufnahmen der Serie Ventre gris entstanden auf einem Bauernhof im Frühjahr 2013 in Grönland. An diesem Ort werden jedes Jahr hunderte Lämmer geboren. Die Bilder entfalten sich in zwei Richtungen: Sie erzählen zum einen über die Arbeit auf diesem Bauernhof, andererseits wird Julie Fischers künstlerischer Schaffensprozess sichtbar. Die Lämmer kommen im Lauf der Jahreszeiten auf der kahlen Erde zur Welt, sind umgeben von der Welt der Tiere, in einer Stille und Einsamkeit, die der Betrachter auf den Bildern förmlich spüren kann. Julie Fischers Bilder erzählen über die Entstehung des Lebens. Mit ihrer sensiblen, visuellen Handschrift verleiht sie den Gegensätzen von Sichtbarem und Unsichtbarem, von Greifbarem und Unantastbarem, von Leben und Tod eine neue Bedeutung. Die Fotografie nimmt bei Julie Fischer einen wesentlichen Charakterzug ein, welcher uns an einen permanenten, transzendenten Zustand erinnert und all das, was uns umgibt, spüren lässt.

Julie Fischer Ventre Gris

Alwin Lay

Alwin Lay (1984 geboren) lebt und arbeitet in Köln. 2013 erwirbt Lay das Diplom der Kunsthochschule für Medien in Köln und ist parallel Gaststudent an der Kunstakademie Düsseldorf bei Christopher Williams. Seine gegenständlichen Arbeiten wurden bereits in den Deichtorhallen Hamburg, im Neuen Aachener Kunstverein, in Moskau bei der Biennale for young art, in der Bundeskunsthalle Bonn, im KIT Düsseldorf sowie dem Badischen Kunstverein Karlsruhe ausgestellt. Sein filmisches Werk war unter anderem bei der Kunstfilmbiennale Köln sowie beim Second Act Festival on Photography, Amsterdam zu sehen. In diesem Jahr ist er Preisträger von gute aussichten - junge deutsche Fotografie 2013/2014 sowie des Max Ernst Stipendiums.

mod. CLASSIC

"Von nichts kommt nichts, könnte das Motto von Alwin Lay sein, oder: Es passiert nicht immer, was geschehen müsste, aber doch jede Menge.“ mod. CLASSIC ist der Name einer Espressomaschine. Lay hat sich den Titel geborgt, denn bei ihm wird die Espressomaschine zum Sinnbild seines Schaffens. Die ebenso ästhetische wie verkäuferische Präsentation der Maschine wird, alleine durch die Produktion des Kaffees, ihrer Funktion enthoben und löscht so das Bild aus, das wir von ihr haben. Das Nicht-Erfüllen von Erwartungen, das Nicht-Einlösen tradierter Handlungs- und Sehmuster ist das Thema von Alwin Lay. Ob skulptural, fotografisch oder in Videos umgesetzt, immer überrascht er den Betrachter auf eine sinnige, humorvolle Art und Weise, eben ganz mod. CLASSIC-mäßig.

Alwin Lay Coal On Paper

Marian Luft

Marian Luft, 1983 geboren, studiert Fotografie im Feld zeitgenössischer Kunst an der HGB Leipzig. Er ist Mitbegründer des Künstlerkollektivs Gallery Fist. „Wenn keine Revolution herrscht, muss man sie eben herstellen“ - so kann seine künstlerische Praxis zusammengefasst werden. Alle Grenzen müssen eingerissen werden. Marian Luft produziert Videos, Sound, Performances, Installationen, arbeitet mit und im Internet und stellt die Frage nach gesellschaftlicher Teilhabe.

Back2politics

„Das Politische als Akt der Umschreibung eines Zustandes in einen Anderen“, so lautet ein ebenso vager wie vieldeutiger Erklärungsansatz von Marian Luft und lässt uns relativ im Dunklen tappen. Betrachten wir das Werk, so stehen wir vor einer mehrteiligen, aus großformatigen Bildern bestehenden Rauminszenierung, die in allen Teilen inhaltlich wie apparativ dem Computer entspringt. Marian Luft sampelt Inhalte analog zu zeitgenössischer Kunst- und Kulturproduktion und generiert daraus ein gänzlich eigenständig ästhetisches Produkt. Eine wilde, inkohärente Ansammlung „politischer Schmierereien“ (Marian Luft), deren Nicht-Inhalt durchaus als Analogie auf eine herrschende politische Un-Kultur gelesen werden darf. Untermalt wird das Ganze von einer schrillen Sound-Collage, deren misstönige Polyphonie als kontrapunktischer Klangteppich die hyperrealistisch entleerte Glanzästhetik der Bildflächen entlarvt.

Marian Luft Back2politics

Dominique Teufen

Dominique Teufen, 1975 in Davos in der Schweiz geboren, schließt 2002 den Bachelor of Fine Arts an der Gerrit Rietveld Akademie in Amsterdam zurück, um. Nachdem sie in Melbourne, Zürich, London und New York gearbeitet und ausgestellt hat, zieht sie nach Amsterdam zurück um ihren Master of Fine Art an der AKV/St. Joos in Bosch (NL) zu absolvieren. Seit 2011 lebt und arbeitet sie in Zürich und Amsterdam. 2013 gewinnt sie den 17. Nachwuchsförderpreis für Fotografie und den MLL Meyerlustenberger/Lachenal jungen Talentpreis.

Blitzlicht-Skulpturen

Die Kamera blitzt. Eine Installation aus spiegelnden Platten, Würfeln und Pyramiden reflektiert das Licht auf die umstehenden Wände und fängt danach diese Lichtformen abermals auf. Dabei verbinden sich die perspektivischen Flächen und Linien zu einer Illusion: Das Konkrete rückt in den Hintergrund, das Licht in Form einer Skulptur tritt in den Raum. Kaum erahnt vom Auge, werden diese Blitzlicht-Skulpturen von der Kamera aufgenommen und die Fotografie wird dabei zum einzigen Zeuge derer Existenz.

Dominique Teufen Blitzlicht-Skulpturen

Christina Werner

Christina Werner, 1976 in Baar in der Schweiz geboren, ist in Baden bei Wien aufgewachsen und lebt derzeit in Wien. Sie studiert von 2007 bis 2013 Bildende Kunst an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig, in der Klasse für Fotografie und bewegtes Bild von Prof. Tina Bara und in der Klasse für Intermedia von Prof. Alba D`Urbano. 2013 erhält sie ein Startstipendium für künstlerische Fotografie vom BMUKK (Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur) in Österreich und ist Preisträgerin von gute aussichten - junge deutsche Fotografie 2013/2014. Christina Werners bisherigen künstlerischen Arbeiten beschäftigen sich mit den Themen Stadt und Mensch sowie Identität und Migration. Oft sind ihre Arbeiten an soziale, kulturelle und/oder poltische Themenkomplexe gekoppelt.

Pipal

Deutschland und Indien 2011–2012: Unendliche Möglichkeiten, lautet der Name eines vom Goethe-Institut in Neu-Dehli initiierten Projektes, an dem Christina Werner teilnahm. Aus den unendlichen Möglichkeiten suchte sich die Fotografin das Sabarmati Riverfrontproject in Ahmedabab aus, einer aufstrebenden Metropole im Bundesstaat Gujarat im Westen Indiens. Pipal beschreibt und ist eine Promenade. Betonbilder, die gestrichene Holztafeln zeigen, auf denen später Plakate montiert wurden, Blätter des Pipal-Baumes, die Werner auf ihrem Gang an der Promenade gesammelt hat, Snapshots vertextlichen ihre künstlerischen Eindrücke. Die gesamte Installation ist lesbar als Metapher für die kulturgeschichtlich geprägte Entwicklung vom Kolonial- zum Nationalstaat und so schließt sich der inhaltliche Kreis. Mit der klaren Verankerung im Konzeptuellen gelingt es Werner exemplarisch, alle Klippen der erwarteten Bilder zu umschiffen und eine völlig neue Sehweise anzubieten.

Christina Werner Pipal