03.04 — 01.06.2014

FESTIVALERÖFFNUNG
+ VERNISSAGE:
DONNERSTAG 03. APRIL - 18 Uhr

Mittwoch - Sonntag: 14 - 19 Uhr

Jürgen Klauke

Ästhetische Paranoia

Jürgen Klauke ist eine singuläre Erscheinung in der Kunst der Gegenwart. Er hat vieles erfunden, was längst zu ihrem selbstverständlichen Repertoire gehört, und die Kunst der letzten 30 Jahre maßgeblich beeinflusst hat. Er ist ein Pionier auf dem Terrain multimedialer und interdisziplinärer künstlerischer Exploration. Sein Werk löst zugleich Faszination und Irritation aus, oszilliert beständig zwischen den Polen von Anziehung und Abstoßung. Als einer der ersten Künstler machte Jürgen Klauke die Fotografie zum künstlerischen Ausdrucksmittel. Mit zielstrebiger Konsequenz lotete er ihre Möglichkeiten und Grenzen aus, so umfassend und facettenreich wie kaum ein zweiter, und erschloss der Kunst ein völlig neues Territorium. Er hat die Frage der Geschlechterdifferenz nachdrücklicher und radikaler aufgeworfen als andere und dabei das Problem der Identität mit bisweilen provokativen Bildern bis zum Extrem zugespitzt. Seit 1970 beschäftigt er sich mit dem menschlichen Körper und setzte ihn als unmittelbaren Ausdrucksträger künstlerischer Vorstellungen ein, gleichzeitig mit Robert Morris und Bruce Nauman nutzte er ihn als Gegenstand und Vehikel seiner Kunst. Er war einer der markantesten Vertreter der „Body Art“. Darüber hinaus eröffnete Jürgen Klauke der Bildkunst Methoden und Modi der Darstellung, die ganz und gar ungewöhnlich waren, als er sie einführte wie die Sequenz und das Tableau. Vor allem bahnte er der „Inszenierten Fotografie“ den Weg indem er das fotografische Medium konzeptualisierte und zum immanenten Thema seiner Kunst erhob. Schließlich entdeckte er auch das große Fotoformat für sich und verwirklichte seine künstlerischen Ideen in großformatigen Bildreihen, als sich die meisten anderen Künstler noch im üblichen Rahmen fotografischer Praxis bewegten. Dennoch hat er in seiner immer wieder von Umbrüchen und Neubestimmungen begleiteten Laufbahn niemals den Erwartungshorizont der Modetrends in der Kunst bedient – stets lagen seine in umfangreichen Werkgruppen realisierten Arbeiten quer. Die früheren, weil sie bewusst gesellschaftliche Tabus verletzten und mit aggressiven, subversiven und verstörenden Mitteln operierten, die späteren, weil sie einen in der Gegenwartskunst selten gewordenen ästhetischen Anspruch verkörpern und sich in keine der jeweils vorherrschenden Strömungen einklinken wollen. Wie ein erratischer Block erscheint sein Oeuvre im kommerzialisierten Kunstbetrieb, eigensinnig und sperrig, und dabei von vibrierender, sinnlicher Kraft.